ORLANDO SABENA: Mit Luther auf der Gabel – Ausgehend vom Vers des Vasile Alecsandri „Mit Tinchen in der Gondel“ konstruiert Orlando Sabena eine weitläufige Erzählung mit einigen Hundert Gestalten, die sich in einen ruchlosen Streit um eine Erbschaft verbissen haben. Hasserfüllt umkreisen die Menschen das begehrte Vermögen, stoßen und schmeicheln sich gegenseitig, streiten, befreunden und kneifen sich, bespucken und verletzen sich, reißen sich die Kleider vom Leibe, schlagen sich mit Fäusten. Ein gigantischer Kreistanz, im Vergleich zu dem das Streitobjekt unwichtig erschien. Der Kreistanz löst sich auf und endet in einem blutigen Gefecht; in der Mitte liegt auf dem Gras, blutig, zerfleischt, in Flanellunterhosen und mit blau geschlagenen Augen, Herr Negatif, ein talentierter junger Biologe, der sich gerade in der Ortschaft aufhielt, um die Fliegenspezies Antrax, oder die Schauspielerin, zu untersuchen. Die Erbschaft war wie vom Erdboden verschluckt.
Der Romancier versucht, auf dessen Spur zu kommen, gibt aber bald auf. Ein Autor, der es sich leistet, die Untersuchung einzustellen, ohne zumindest die Abmessungen der Immobilien anzugeben, ohne die wichtigsten Wertgegenstände und deren Wert in Gold anzuführen, ohne Informationen zu Hypotheken, Mietern, usw. zu erwähnen, scheint mir unseriös zu sein. Das Buch erhielt zwar 1934 einen Preis in Venedig, was jedoch auf das Desinteresse der Jury gegenüber materiellen nationalen Werten schließen lässt. Erwähnenswert ist der Umschlag des Buches, der aus einem feinen Gummi gefertigt ist, so dass er mit ein wenig Seife und lauwarmem Wasser leicht gewaschen, ausgespült und mit einem weichen Lappen zwei-dreimal abgewischt werden kann. (Lombardi-Verlag, Rom, 1940).
NATALIA SINNA: Die Glaswanze. Novellen (Paramount 60-Verlag, Chicago, 1962).
MYRON CHEVALIER: Frau Sachelaries Mission in der amerikanischen Literatur – War Anfang des Jahrhunderts der Beitrag von Frau Sachelarie, geb. Mătăsăreanu, zur Entwicklung der amerikanischen Literatur kaum bekannt, so ist heute dank der zahlreichen und kompetenten Studien, die im letzten Jahrzehnt erschienen, diese Frage ausschöpfend geklärt. Es ist bekannt, dass es bis etwa 1840 in Amerika kein Bestreben gab, eine eigene Literatur zustande zu bringen. Alles, was es bis dahin im Bereich des Romans, des Theaters und der Poesie versucht hatte, konnte nicht von Dauer sein, denn das, was erschienen war, war von Einzelpersonen geschrieben worden, die von kleinlichen Interessen und zufälligen Empfindungen getrieben worden waren. Es musste eine moderne, schnelle, komfortable Literatur mit hydraulischen Bremsen und Richtungsblinkern eingeleitet werden. Wer sollte sich denn trauen? Weit und breit nur Zögern. Es wurde individuell gezögert, es wurde gruppenweise gezögert. Aber da traf jemand eine Entscheidung. Es war eine Frau. Eine Frau aus dem entfernten Rumänien, die damals gar nicht ahnte, dass sie die amerikanische Literatur gründen würde. Es handelte sich um Marioara Sachelarie aus Găieşti, die Tochter des ehrwürdigen Pfarrers Matei Sofronie Mătăsăreanu. Ungeachtet der Widrigkeiten, mit einem Koffer voll Kleidung und Proviant ausgestattet, überquerte Marioara eiligst den Ozean und machte sich an die Arbeit. Chevaliers Buch, das zu den ausführlichsten Dokumentationen zu diesem Thema zählt, berichtet von Taten und Episoden, die beweisen, wie erheblich die Anwesenheit der Rumänin die amerikanische Literatur befruchtet hat, wobei sie sich, wie jeder rezeptive Geist, manchmal auch selber befruchten ließ. Die Schwierigkeiten waren überwunden. Was nach ihrem Tod unternommen wurde, war selbstverständlich nicht mehr so schwierig. Bald meldeten sich die großen Geister zu Wort, von Wallace und Poe bis hin zu Caldwell und Hemingway. Vielleicht schafften einige noch viel mehr als diese. Aber die Schwierigkeiten waren in Angriff genommen worden, und von wem? Von einer Frau. „Unsere Generation ist ihr dankbar“, teilte Radio Alaska kürzlich in einer Sendung mit. (Sammlung „Brandenburg“, Texas, 1959.)
ALIN RICHTER-NORDAU: Erzählungen mit Mayonnaise – Von den viel zu zahlreichen Prosastücken des großen Erzählers wurden nur Seehunde und Zeppeline und Elektrizität in 60 Metern Entfernung ausgesucht, die ohnehin nicht unbedingt zu den zeitlosesten seiner Werke zählen. „Als nichtssagender Schriftsteller versetzt mich Richter-Nordau in eine missmutige Stimmung“, schreibt Gym Pampass. War nicht er es, der der Emanzipationsbewegung der Küster entgegenwirkte und sie dazu zwang, sich an die Gewerkschaft zu wenden?“ „Nordau ist trotz allem genial, lesen Sie ihn!“ – fordert uns H. Descamps in seiner Lit.gesch. auf. „Ich denke nicht einmal daran, seine Bücher anzurühren“ – wettert Pampass in einem Artikel. Wenn ein Schriftsteller einmal daneben gegriffen hat, verbanne ich ihn aus meinem Herzen und ignoriere ihn in alle Ewigkeit!“ „Was fangen wir dann mit Petrarca an, der seine Gläubiger so oft betrog?“ „Wir überlassen ihn sich selbst, die Kritik hat keine Verpflichtungen.“
„Nach Dostojewski kenne ich keinen tiefsinnigeren Schriftsteller“, schreibt Giovanni Strepto in dem Kapitel der Encyclopaedia Britannica, das dem großen Russen gewidmet ist. „Die Briten haben nie Kriterien gehabt“, erwidert Gym Pampass nach der Lektüre des übersetzten Kapitels. (Progress-Verlag , Oslo, 1828.)
RALPH JACOB TRASCOUNT: Ein U-Boot aus Teig – Roman in zwei Bänden. Zusätzlich zu den zahlreichen Tippfehlern hat das Buch im Überfluss allerhand Plattitüden zu bieten: „Wenn Sie, entgegen Ihrer Gewohnheit, eines morgens um drei aufwachen und den Himmel betrachten würden, dann den ersten Zug ans Ende der Welt nehmen und dennoch am zweiten Bahnhof wieder aussteigen würden, um der Sonne zu erlauben, von irgendwo aufzugehen, und wenn sie geradeaus in die Sonne blicken und mitten am Feld, zwischen Mohnblumen und Margareten die Rolle des Narren aus einem beliebigen Narrenstück spielen würden, wenn Sie dann in Richtung Nordwesten aufbrechen würden, da die genaue Orientierung schließlich ihre dominante Eigenschaft ist, wenn Sie mit dem erstbesten Bauern, der Ihnen über den Weg läuft und sicherlich 100 Jahre alt ist, ins Gespräch kommen würden und anschließend mit einer verirrten Frau, die fest entschlossen ist, Ihnen bei der Vereitlung Ihrer großen Karriere behilflich zu sein, wenn Sie schließlich die Berge ersteigen würden, die sich wie eine riesige Katze auf den Bauch legen würden, wenn Sie schließlich auf der anderen Seite ankommen würden, wo Ihnen die Nacht empfangen könnte, die sie noch nie gesehen haben, die Nacht ohne Elektrizität, ohne Bett, die Nacht mit Rückwärtsgang, ohne aufgemalte Sterne, die Nacht, von der ich Ihnen auch mit anderer Gelegenheit erzählt habe?
Wenn Ihnen dann später, nachdem Sie aus der Tiefe des Dunkels wieder hervorgetreten sind, Vögel und Fische begegnen, die zwischen feuchten Plüschpflanzen und einem Vorhang aus Musik von zwei Flöten und einem Cembalo miteinander leben, würde sie die Heimkehr wieder anlocken, und würden Sie, wieder in Ihrem Wohnzimmer angekommen, nachdem Sie sich wie jeher vor den Fernseher gesetzt haben, nicht laut lachen müssen, und würden Sie sich nicht über Ihr Starrwerden im Fernsehbildschirm schämen, über das Einstellen des erregten Apparates auf den Kanal 13, über die unzähligen Werbespots, die Sie runterwürgen, die Sie mit Wohlwollen runtergewürgt haben und die Ihr einziges Wissen darstellen, das auch allen anderen Tag und Nacht pausenlos übermittelt wird?
Und wenn alles um Sie herum Sie auslachen würde, in schallendes Gelächter ausbrechen würde, freundschaftlich, angenehm, bis es dem Glas auf dem Tisch zu platzen belieben und die Splitter auf den Teppich fallen würden, wenn die anderen, die beängstigten Hausbewohner, nicht verstehen würden, was geschehen war, wenn sie sich in einen Detektivroman flüchten würden, während Sie sehr genau wüssten, dass geschehen war, was geschehen musste?“ (Teo Reder Verlag, Wien, 1958.)
MARIUS HOLST: Von Roderigo bleibt nur Wasser übrig – Hier wird ein Experiment vorgeschlagen: von der Tatsache ausgehend, dass sich viele auf dieser Welt einbilden, ein Talent zu haben, das sie in Wirklichkeit nicht besitzen, greift man zum Beispiel des Tenors Roderigo, den man zum Singen auffordert. Er singt eine Woche, er singt ein Jahr lang. Es wird festgestellt, dass das Körpergewicht abnimmt, dass der ehemals kräftige Leib ausgetrocknet ist, und dass die Reste bloße Schalen sind, die der Wind leicht zerstreut. Die Erklärung ist folgende: Das Individuum existiert nicht, die bloße Konzentration von Wasser war nicht imstande, eine Person zu konstituieren, trotz aller Beteuerungen und trotz einiger unterzeichneter und gestempelter Verträge. Regel: jeder beliebige Roderigo, bei dem die Wassermenge im Körper konstant erhalten wird, kann Lieder produzieren, ohne, dass dies jemanden interessieren würde und ohne, dass sein Volumen abnehmen würde. (Ra-Verlag, Kairo, 1952.)
MATEO SENTEMBRINI: Katalog zeitgenössischer Träume – Sind Sie sich eigentlich dessen bewusst, wie interessant es wäre, wenn mindestens einer von zehn nächtlichen Träumen durch irgendein Wunder reale Konsequenzen hätte? Wir hätten ein weiteres Universum in der Welt, wenn nicht eineinhalb. In den Sucher der Fotokamera würden zwei Greta Garbos passen, in den Ohren würden zwei Fünfte Symphonien ertönen, es würde so laufen wie bei Schulen mit Parallelklassen B, C, D usw. Wir würden nicht auszuhaltendes Gebrüll auf Magnetband aufnehmen. (Dies ist das Motto und die Motivation des Buches). „Das schlechteste unter den Werken des unvergleichlichen Wortkünstlers M. Sentembrini. Von Wert ist vielleicht nur die Ausgangsidee. Die Ausführung ist erbärmlich arm. Der Stil ist „vergammelt“, schreibt Jean Felix Galor in Les livres, Dez. 1960. (Flammarion, Paris, 1959.)
NICOLAUS REMBRANDT: Der Krieg der Philosophen – 1928, im Früherbst, brach im nord-orientalischen Mittelmeerraum zwischen den dort ansässigen Philosophen ein heftiger Krieg aus. Der Anlass: Platon hatte Demokrit in der Frage der Erfassbarkeit des Raumes widersprochen, eine Haltung, die vom Gegner als arrogant aufgefasst wurde. Die Pytagoräer griffen als Vermittler ein, allerdings unsicher in ihrer Initiative. Die ersten drei leicht langweiligen Kapitel des Buches schildern die Auslöser des Konflikts – den eskalierenden Kampf zwischen den traditionalistisch orientierten Topographen und den empirisch eingestellten Topometristen. Fünf weitere Kapitel enthalten Informationen zur Vorbereitung der Kriegslager. Es wird beispielsweise geschildert, wie die Eleaten ein verschlüsseltes Gedicht auswendig lernen und in Hochglanzpapier-Heften Notizen eintragen. Das letzte und ausführlichste Kapitel – die tatsächliche Konfrontation der philosophischen Streitkräfte –, ist Rembrandts Meisterwerk. Nachdem gezeigt wird, wie die Gefechte sich auf die gesamte mittlere Adriaküste ausweiten und durch Kolonisten bis nach Skythien und Mitteldeutschland gelangen, werden die Kämpfe mit der Meisterschaft eines Xenophon beschrieben. Die Gegner eröffnen das Kreuzfeuer. Statt Granaten bekämpfen sie sich mit Konzepten und Mittelkaliber-Urteilen, 101mm.-Sentenzen mit Spätzündung, wobei Periander, Ferekydes und Teopomp die Schüsse in bewundernswerter Weise steuern. Flugzeuge werfen runde, glattgeschliffene Wahrheiten ab. In der Adria wird ein Flugzeugträger mithilfe von Minen versenkt, die aus dem Pergament mittelalterlicher Traktate gefertigt sind. Maschinengewehre schießen mit Monaden während die Luftabwehartillerie Bruchstücke aus den Reden der Sophisten runterrattert. Die große Schlacht von Samosata wird von Rembrandt mit einem unübertroffenen Gespür für Wirkungsmechanismen beschrieben: „Beim Aufruf Platons von einer Schanze aus: »Die Welt ist eine Illusion«, zerbrechen die voll entfalteten Reihen des Feindes, verdünnen sich, überall fallen Tote und Verletze zu Boden, wobei sie an Ort und Stelle die überzeugendsten Behauptungen machen“. Aber der Feind antwortet mit Panzerwagen. „Die Politik“ auf Raupenketten, „die Rhetorik“ mit acht Geschossen, „die Meteorologie“, „die Metaphysik“ flößen den auf dogmatischen Positionen verbliebenen Soldaten Angst ein. Die Neuplatoniker kaufen von den Deutschen eine geheime Waffe, „die Dialektik“, welche sie nun einsetzen. Der Feind protestiert, beruft sich auf die Genfer Konvention und droht mit Vergeltungsmaßnahmen: er wird Erstickungsgase und den Behaviorismus einsetzen. John Locke betritt das Schlachtfeld, dann Berkeley, die Enzykopädiker, Spinoza, August Compte und Alexandr Papanin, der Autor eines ganz und gar originellen philosophischen Systems. Bewundernswerte, homerische Szenen. Die Waffen sind nicht mehr zum Schweigen zu bringen. Dennoch stellt der von J.P. Sartre vorgeschlagene Waffenstillstand durch den aussichtslosen Kompromiss, den er bietet, eine Basis für das Abschließen von Abkommen dar, welche später den Frieden sichern werden. Die Armeen ziehen sich in ihre Lager zurück, die Philosophen in die Bücherregale. Solange die Bibliothekare ihre Bücher in guter Ordnung und unter Verschluss bewahren, wird es keinen Krieg mehr geben. (Cerc-Verlag, Paris, 1930).
AURELIO MERCANTILE: Die Schönen – Auf mehr als 300 Seiten weist der Autor nach, dass die Schönen weder jene sind, die die Konzert- und Theatersäle schmücken, noch jene, die mit wogenden Bewegungen über die Boulevards gleiten und die Nachmittagsruhe der Spaziergänger trüben, noch jene, die in Laboratorien, Büros, Medikamentenfabriken arbeiten – weiß, üppig, mit glänzenden Augen und katzenartigem Gang. Die Schönen sind weder jene, die hinter dem Steuer oder im Zug sitzen, noch jene die zu Pferderennen gehen. Die Schönen sind andere, anderswo, andersartig. Es wird eine Hypothese bezüglich der Aufenthaltsorte, der Form und Dimensionen, der Beschäftigungen, Präferenzen sowie den intellektuellen und physischen Kapazitäten der Schönen aufgestellt. (Gardian-Verlag, Genf, 1934.)
GABRIELE HANSA: Kegeln 1826: Die Niederlage der Franzosen. Eine der blutigsten Schlachten der gesamten französischen Geschichte fand 1826 bei Kegeln statt. Die Forschungen der Historiker, die die genaue Anzahl der Toten und Verletzten feststellten, konnten hingegen bislang nicht eruieren, gegen wen die Franzosen damals kämpften und aus welchem Grund und in welcher Weise der Konflikt gelöst wurde. Eine Friedensperiode muss sich wohl nach diesem Konflikt eingestellt haben, zumindest für ein paar Jahre, bis zur Schlacht um Hernani (1830).
HANS FREGATA: Die Ermittlung des Grades des Abstraktionsvermögens bei Säuglingen – Die Ergebnisse der Untersuchung des Laboratoriums für Abstraktionismus an der Universität Hamburg. Der Nachteil der in der Abhandlung vorgeschlagenen Prozedur: Die behandelten Subjekte überleben nicht. (Orienta, Hamburg-Leipzig, 1956.)
WOLFGANG APUD: Die unübertreffliche Untreue – Ein äußerst sittsamer Mensch, Robert Y., ist in letzter Zeit kaum zuhause anzutreffen. Es ist bekannt, dass er sich in eine schöne Schauspielerin verliebt hat. Die Kollegen machen ihm Vorwürfe. Da er sein eigenes Verhalten nicht mehr verstehen kann, nachdem er feststellen muss, dass er seine Ehefrau und seine Geliebte gleichzeitig liebt, nimmt er ab, erkrankt er. Diagnose: Schizophrenie. Alles verläuft weiterhin undramatisch. In der Familie brennt die Liebesflamme blau, bei der Geliebten ist die Flamme lebendig und rot. In letzter Zeit vernachlässigt die Ehefrau, infolge ihrer Beschäftigung mit Bildhauerei, den Haushalt. Robert findet immer öfter eine Staubschicht auf den Möbeln vor. Er entwickelt Allergien, die ihn missmutig stimmen und sein ursprüngliches Leiden verschlimmern. Eines Morgens reißt er von zuhause aus. Die Ehefrau ist davon überzeugt, dass er sich zur Geliebten geflüchtet hat, geht hin und macht eine schreckliche Szene. Robert hingegen schickt ihr einen Brief aus einem entfernten Städtchen, wo er nun als Chauffeur arbeitet. Er ist fest entschlossen, erst dann zurückzukehren, wenn er die Straßen des Landes von einem Ende zum anderen befahren hat und sich so an den Staub gewöhnt hat. (Felix Mendelssohn-Bartholdy-Verlag, Hamburg, 1954.)
DOMITIO HEIMEYER: Textilstoffe und Unsicherheiten – „Ausgezeichneter Roman, sentimental und patriotisch, er enthält Seiten, die nach dem Geschmack des vergangenen Jahrhunderts geschrieben sind, mit gut gezeichneten Typen“ (Galba Marcetti in Le courrier). (Flammarion-Verlag, Paris, 1936.)
RODERIGO SOLWEIG: Einsamkeit – Über zwei Fräulein, die sich auf eine Insel verirren. Ihre dramatische gegenseitige Suche. Als sie sich endlich finden, bleibt der einen der Atem weg und sie muss ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Arzt verliebt sich in sie und will sie zur Frau nehmen. Die Freundin, die auf ein derartiges Schicksal eifersüchtig ist, geht nach Indien. Die Abenteuer im Dschungel – äußerst spannend. Die Episode der Kobrabezwingung, kolossal. Der Arzt wird auf eine Forschungsreise geschickt, ebenfalls nach Indien. Suchen, Unsicherheiten. Das Fräulein, das ihn liebt, vergibt ihm nicht, denn ihr Hass auf den Glücklichen ist urtümlich, vorsätzlich. Sie lauert ihm auf, demütigt ihn. Es erscheint ein Kardinal. Er übermittelt dem Arzt die Nachricht, dass seine Frau in einem Unfall umgekommen war. Die beiden nehmen ein Flugzeug nach Europa. Der Arzt erleidet bald eine Hirnblutung und ist gelähmt. Hingabe und Verzweiflung: Das Fräulein widmet sich der Pflege des bemitleidenswerten Kranken. Sie gründet ein Kloster. Organisiert ein Spital. Baut ein Gerät für die Beseitigung der Folgen der Lähmung. Sie finanziert eine Bibliothek. Sie gibt Konzerte (sie singt bezaubernd), spart Geld, eröffnet in Schweden einen Marmorsteinbruch. Dienstreisen. Sie finanziert die Hälfte der militärischen Kolonialkräfte in der Stadt Algier, bietet in Internaten gratis pädagogische Filme für Schüler an. Statt der einstigen Einsamkeit sieht sie sich nun von Tausenden von Freunden umgeben. Zum Abschluss dann ein Lobgesang auf das menschliche Wirken und die Medizin. (Verlag Elfenbeinküste, Cairo, 1938.)
SIMION GABRIEL: Jenseits der Front. Gedichte – Eine einigermaßen interessante Poetik, die aber der Kraft entbehrt und bezüglich der Ideen ärmlich ausfällt. „Mit unserm Schmerz, dem bittren, tauben, /Hab ich die einz’ge Geige nun beladen“ sind gekünstelte Verse. Es ist übrigens despektierlich, ein Bild aus Geschmacks- und Klangempfindungen zu konstruieren. „Erhaben ist der Diakon Jaquint,/dessen Ängste unbeugsam sind/Dieb und Verbrecher in Christi Namen/Schritt er bescheiden durch der Jünger Reihen“, aus einem anderen Gedicht, ist eigentlich reine Prosa. (Es war mir unmöglich, den gesamten Band zu rezensieren, da die Blätter des Buches lose waren. Zum Beispiel findet man auf S. 18 folgende Bemerkung: L’otite moyenne se propage assez souvent aux cellules mastoïdiennes, mastoïdite, celle-ci est caracterisée et surtout provoquée par la pression locale, par la rougeur derrière l’oreille et quelquefois par de l’odème. Ich glaube, dass der Auszug, da er ja auf Französisch verfasst ist, dem Band nicht angehört. (Salpetro-Verlag, Genf, 1960.)
SALVADOR MARCA: Grottenmaler – Über die Anwandlungen eines Malers, der sich als Forschungsreisender ausgibt und den Forschern Streiche spielt indem er des Nachts Jagdszenen auf die Wände der Grotten malt, die die Spezialisten am Morgen begeistert entdecken. Die ultimative Befriedigung des Malers, der davon träumt, im British Museum nächst den Höhlenmalern (Saal III) ausgestellt zu werden. (Solex-Verlag, Graz, 1919.)
MAIOR GRIGORE TAŞCĂ: Die moralischen Prinzipien der Gründer der Fanfare des 95sten Infanterie-Regiments, Olt – Ausschöpfende Studie. (Heimatsdienstfreiwilligen-Verlag, Piteşti, 1938.)
ION GABRIELESCU: Die Verbreitung der kodierten Kinder im Vorkarpatenland. Studie – von der Rumänischen Akademie mit dem „Grigore Antipa“-Preis ausgezeichnet. (Bukarest, 1910. Maschinengeschriebene Broschüre).
SANDRO BASTARDI: Die lebenslange Verstopfung und deren Erhaltung. Kritische Studie, mit einem Vorwort von N. Iorga – Sandro Bastradi war in einem biologischen Laboratorium in Bukarest tätig. Der Übergang von seinen biologischen Studien zur Literatur fiel ihm leicht. Er löste in den Reihen der technischen und wissenschaftlichen Intellektuellen Rumäniens eine massive Welle des Hinüberwechselns auf die Seite der Literatur aus, was die Industrie und die spezialisierten Laboratorien verarmen ließ. Er beschäftigte sich insbesondere mit der Tätigkeit der Dichter Nicu Şopârlă, Vasile Panaitescu, Nistor Motâlcă, mit den Romanautoren Grigore Grădişteanu, Petre Vasilescu-Rădăuţi und Jean Bunescu, die er verlegte, deren Neuauflagen er betreute, über deren literarisches Schaffen er Artikel veröffentlichte. Infolge der Anwendung seiner wissenschaftlichen Entdeckungen auf die Literatur stellte sich heraus, dass unter allen biologischen Bemühungen die Abhaltung des Dickdarms von der Ausübung seiner exklusiven Impulse am ergiebigsten ist. Das Blut, das durch den Druck aus den Wänden des Dickdarms getrieben wird, ist mit Gasen, d. h. mit der subtilsten Form der Materie, aufgeladen, steigt nun einem zu Kopf und löst dort unerwartete Assoziationen, fruchtbare Stauungen aus, die überraschenderweise das eine oder andere Meisterwerk erzeugen. Der Autor geht noch weiter. In seiner in der Studie enthaltenen Abhandlung „Vorromantische Ideen bei unseren Pastoraldichtern“ weist er auf einige Lebensmittel hin, die eine lang anhaltende Verstopfung bewirken: Brot in großen Mengen, Kartoffeln, Fleischkonserven und Maultaschen, welche er vor allem Prosaautoren empfiehlt, zum Zwecke der Erzeugung des großen Jahrhundertromans innerhalb der nächsten paar Jahre. In einem weiteren Kapitel mit dem Titel „Anämie und Bulutgefäßerkrankungen bei Literaturkritikern“, protestiert Bastardi vehement gegen die unbedachte Verwendung von Abführmitteln und frischem Obst, die er als schädliche Faktoren betrachtet, welche die Weiterentwicklung unserer Literatur behindern. (Socec-Verlag, Bukarest, 1932.)
HANIBAL LAMBETWALK: Glycerinparty – Sehr gelungen, überzeugend und geistreich beweist diese Erzählung, dass nichts von dem, was auf der Welt wertvoll ist, unbekannt bleibt, und dass sich die Menschheit sogar in den sogenannten Regressionsphasen weiterentwickelt. Es wird das Beispiel Spaniens angeführt. (Orbis-Verlag, Krakau, 1953.)
LOLA CENTOMILLA: Das Mäusedasein. Roman (Palmier-Verlag, Lyon, 1958.)
ALVARO GALION: Wer lässt die Uhr schlagen? – Die Frage wird mit jeder Zeile bedrängender, aufwühlender, obwohl noch nicht klar ist, ob die Uhr angestoßen wird, wie eine der Gestalten behauptet, oder ganz einfach mit verflochtenen Zeigern festgenagelt wurde, wie der Detektiv behauptet. Vielschichtige Bedeutung ist dem Auftauchen eines Kuckucks, just in dem Moment, als die Situation am verworrensten ist, zuzuschreiben. Nun ist klar ersichtlich, dass es sich bei der Uhr um eine Pendeluhr handelte und dass deren Stundenschlag gravierende Konsequenzen hatte. Ein Buch, das zeigt, dass der Leser auf beschämende Weise von Abenteuern, die höherer Ideen entbehren, ergriffen werden kann. „Wer in diesem Werk keinen Angriff gegen Hollywood sieht, gegen dessen Filme, gegen dessen Witze, ist blind.“ (Pax vobiscum-Verlag, Neapel, 1939.)
SALVATOR VEGA: Das Leben und Schaffen des Fox Therrier – Die Beständigkeit, mit der der namhafte Salvator Vega sich in seinem Buch erneut mit der Art und Weise auseinandersetzt, wie Fox Therrier seine Kleidung in seinem Umkleideraum anordnete, mit den Details bezüglich der Position der Garderobe im Zimmer, bezüglich der Beschaffenheit der Wäscheklammern, mit den Berichten über den feinen Ausblick, der durch das Fenster des Umkleideraumes zu sehen war – all dies wirft ein neues, interessantes Licht auf ein bisher allzu wenig bekanntes Kapitel der Literaturgeschichte. (Salamandre-Verlag, Zagreb, 1902.)
ANDREA GALLUPPI: Über den Nutzen konkreter Beobachtung und Die Direktheit des Sturzes auf dem Eis – „Wenn man vor dem Schlafengehen nicht ein paar Augenblicke zum größten Historiker der Welt wird, kann man davon ausgehen, dass man verloren ist. (Ath. M. Goethe) (Verlag der Gebrüder Rogers, Ithaca, 1929.)
ANTONIO GOVERNALY: Die Nookratie – Auf der Insel Gamma in den Antillen herrscht seit mehr als fünfhundert Jahren ein tadelloses nookratisches Regierungssystem. Die Gelehrten übernahmen um das Jahr 1482 die Macht und haben einen parlamentarischen Mechanismus des fortschrittlichsten Typs zustande gebracht. Es ist wichtig, zu erwähnen, dass die erste Handlung der neuen Staatsführung die Verabschiedung des „Ausklammerungsgesetzes“ (1429) war, durch das nächtliche Tätigkeiten verboten wurden. „Jede geheime Aktion, proklamierte der erste Artikel, ist auf mangelndes Sonnenlicht zurückzuführen und ist als solche gegen die Menschheit gerichtet.“ In den nächsten Tagen wurden zur Abschreckung die Minnesänger, die Dichter, die Lampenanzünder, die Bäcker, die Kurtisanen, die Segler, die nicht zeitgerecht angelegt hatten, die Kanzleischreiber (denen der Tag nie ausreichte), die Wohlwollenden, die Neugierigen und allgemein all jene, die sich des Nachts durch eine beliebige Tätigkeit oder durch eine Straßenlampe bemerkbar machen wollten massakriert.
Es wurden auch Verwechslungen verzeichnet: Mario Sogra wurde umgebracht, weil er zu Mitternacht eine Straße überquerte, während er auf seine Ehefrau einschlug. Der Mann war unschuldig, denn er konnte nachweisen, dass er blind war. Francesco Tinoya haute man den Kopf ab, weil er die Behörden darauf hingewiesen hatte, dass einer seiner Nachbarn täglich einen Topf Kleie kocht. Es wurde dargelegt, wie wichtig es sei, dass es jedem überlassen würde, jede beliebige Menge Kleie zu kochen oder wegzuwerfen – allerdings erst, nachdem Tinoya an die Schälmaschine übergeben worden war.
Ein weiteres Gesetz verbot den Gruß, da man davon ausging, dass es sich um etwas Empfangenes und gleich wieder Zurückgegebenes handle, was stimmte. Die Verschwendung war offensichtlich: Eine entwickelte Gesellschaft kann sich den Luxus nicht leisten…
Schließlich wies ein anderes Gesetz den Kreistanz mit Mädchen und Buben als einzige Möglichkeit des Ausgangs an die frische Luft aus. Nachdem er 1821 aufgrund des Mangels an Musikanten abgeschafft worden war, wurde der Kreistanz 1926 infolge der Erfindung des Radios und des Lautsprechertelegraphen wieder eingeführt. Seither erfolgen Spaziergänge, Rendezvous und Gespräche in Kreisform, zwischen mehreren Teilnehmern, von rechts nach links, mit der einzigen Sorge, dass man die Schulter gegen die Kraft stemmen musste, mit der die Verliebten versuchten, sich einander zu nähern. (Freunde, die von denselben Bestrebungen getrieben werden, gaben leichter auf.)
In Ermangelung der Kinder, die darauf verzichten, auf die Welt zu kommen, gibt die Gesellschaft der Nookraten in den Antillen übermäßig viel Geld für den Import dieses Produktes aus. Der Tabak ist relativ billig. (Soriente-Verlag, Santioago, 1959.)
PHORMIC PHORMIDABLE: Schimpfwörtersammlung für den Gebrauch von Abteilungsleitern. (Azur-Verlag, Frankfurt a. Main, 1933.)
SANDU NEAJLOV: Tănăsescu, das Transatlantik-Schiff. „Man kann ein Loch in den Himmel schlagen, nicht aber in Tănăsescu, das Transatlantik-Schiff” (Gabriel Popovici-Bolintin).
MARIANA GIRARDI: Die Kunst des Spiridon van der Welde – Die kostbare Biographie enthält dreißig Reproduktionen nach den bewundernswerten Ölgemälden des großen rumänischen Malers. Leider fehlt das berühmte Bild Feiertag in Răcari aus dem Museum in Găeşti, ein Bild von ergreifendem Realismus, in dem im Vordergrund zwei Nähmaschinen zu sehen sind. Der Maler hat die Leinwand ausgeschnitten, um die Illusion des Lebens zu erzeugen, so dass durch die Öffnung ein Stück Seide hervorhängt, welches ein hinter dem Bild versteckter Angestellter hin und her bewegt, so dass unser Auge die Details des Nähens und die Bewegung der Schneiderinnen erkennen kann. Die Technik der Reproduktion hat eine derartige Leistung noch nicht vollbracht. (Pro Arte- Verlag, Liège, 1958.)
PETRE P. POPESCU: Die Regulierung klösterlicher Jungfrauen – In Ermangelung (durchgestrichenes Wort) Verhaltensregeln, werden klösterliche Jungfrauen zu Werkzeugen einer fremden Macht, die sie ex…(der Rest des Wortes fehlt) und sie in … (Zeile fehlt) lockt, wobei sie sich als prächtig erweisen. Es stellte sich die Frage ihrer Einstellung durch den Morgan-Konzern, was aber einigen hohen patriotischen Funktionären gar nicht passte, allen voran (zwei Namen fehlen), Alex. Lambrior, Vasile Conta, Stratulat (restliche Angaben fehlen). Schlussfolgernd wird …(siehe „Gesetz zur Erhöhung der Abgeltung einiger Pensionistenkategorien“). (Druck: „Universum“, Bukarest, 1936.)












